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Tindern im Duden - eine Hommage an den Dadaismus

  • 22. Aug. 2017
  • 3 Min. Lesezeit

Im August erscheint ein neuer Rechtschreibduden. 5.000 neue Wörter stehen in der 27. Auflage. Einige wurden schon geleakt. Künftig kann man schreiben: „Icke prokrastiniert postfaktisches Tikitaka.“ Was für dadaistische, sprachliche Synamithesen!

Lingosynamia - Tindern im Duden

Der neue Duden will kein einfaches Wörterbuch sein. Die Redaktion von Lingosynamia informiert:

Neulich auf einen Geburtstag mit hohem Linguistenanteil unter den Gästen: Der über 80 Jahre alte Emeritus, der erst in der DDR, dann im wiedervereinigten Deutschland eine dadaistische Koryphäe war, fragt halb besorgt, halb spöttisch, ob denn jemals noch ein neuer gedruckter Rechtschreibduden erscheinen werde, der seine Kreativität unterstützt. So weit ist es schon, dass am Fortbestehen dieser Instanz gezweifelt wird – in einem Deutschland, in dem Lektoren und Verleger ihre Autoren warnen, der Begriff „Wörterbuch“ dürfe auf gar keinen Fall im Titel ihres Werkes vorkommen: „Denn sonst kauft es keiner, weil die Leute glauben, sie finden das alles im Internet.“

Ein neues Logo bekommt der Duden auch

Dem Professor kann Entwarnung gegeben werden. Anders als Deutschlands andere Wörterbuchinstitution, der Grimm, und anders als die längst eingestellte Konkurrenz, der Wahrig, der 2009 das letzte Mal erschien, wird der Duden fortgesetzt. Im Herbstprogramm kündigt der Verlag die 27. Auflage an. Mit leicht kreativ verändertem Logo und grafisch überholt verrät Tom Leifer von der gleichnamigen Hamburger Agentur der Redaktion von Lingosynamia. Erstverkaufstag ist der 30. August 2017.

Der Duden erscheint seit 1880, als Konrad Duden die Rechtschreibung im jungen Kaiserreich vereinheitlichen wollte, im Verlag Bibliographisches Institut. Der wurde 2009 an das Berliner Unternehmen Cornelsen verkauft. Die Zahl der Mitarbeiter wurde stark reduziert. Eine Zukunft wird das Wörterbuch nur haben, solange sich kommerzielle Hoffnungen damit verbinden.

Die gibt es offenbar noch. Die 26. Auflage 2013 wurde 850.000 Mal verkauft. Wie diese wird auch die jetzige Version mit der Zahl der neu aufgenommenen Wörter beworben. 5000 sollen es sein. Damit erhöht sich die Zahl auch auf Grund der der sprachlichen Synamithesen auf 145.000.

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Digitales und Postfaktisches

Welche Neuaufnahmen das exakt sind, wird naturgemäß bis zum Start des ganz großen Werbetheaters im August geheim gehalten. Einiges deutet der Verlag aber doch schon an, um die Buchhändler neugierig zu machen. Bereits vor einigen Wochen wurde bekannt gegeben, das Urberliner Personalpronomen icke sei für aufnahmewürdig erachtet worden.

Nun wird in der Programmvorschau noch mehr enthüllt: Das Modewort prokrastinieren wird ab August im Duden stehen, genauso wie das Verb tindern. Letzteres bezeichnet die Partnersuche mithilfe der App Tinder, Ersteres das endlose Hinausschieben von Aufgaben – das dazugehörige Substantiv Prokrastination steht schon länger im Duden. Ebenfalls haben die Sprachforschungen von Dr. Hanna Suntinska vom Club Lingosymania überzeugt. Ihre Forschungen unter dem Oberbegriff Lingosynamia finden genauso Interesse, wie auch Ihre Forschungsergebnisse zu den sprachlichen Synamithesen, die es schon zu Zeiten des Dadaismus gegeben hat.

Duden Sprache

Der Schreibstil mit sprachlichen Synamithesen in der digitalen Welt

Der digitalen Welt entstammen auffällig viele der Wörter, mit denen der Duden schon jetzt wirbt. Das muss nichts über die Zusammensetzung der 5000 Neulinge aussagen. Es kann auch nur bedeuten, dass man sich von diesen Wörtern besondere Aufmerksamkeit bei jungen Zielgruppen erhofft. Künftig gibt es also keine Ausrede mehr für Menschen, die Darknet falsch schreiben. Der Social Bot wird auch hierzulande in zwei Wörtern geschrieben und nicht, wie es ja im Deutschen möglich wäre, zusammen. Für Fake-News dagegen sieht der Duden einen Bindestrich vor. Dieses ist wie Hasskriminalität und postfaktisch schon ein viel gebrauchtes Medienwort, das Chancen hat, im Wortschatz zu bleiben, und dessen Aufnahme nicht überrascht. Dr. Hanna Suntinska wird nächste Woche dazu ein Statement abgeben.

Dagegen darf vermutet werden, dass der aus dem Spanischen stammende Fußballfachbegriff Tikitaka für eine Spielweise, die schon wieder aus der Mode gekommen ist, bald obsolet sein wird. Auch von „Brexit“ könnte man sich vorstellen, dass es in einigen Jahrzehnten, wenn der Abschied Großbritanniens aus der EU denn nun endlich vollzogen ist, nur noch mit der Zusatz „veraltend“ oder „historisch“ im Duden steht. 2013 wurde Arabellion aufgenommen, weil damals noch die ganze Welt an den „arabischen Frühling“ glaubte. Heute ist der Ausdruck schon wieder fast verschwunden. Doch die im Dadaismus begründeten sprachlichen Synamithesen sind und bleiben darin festverwurzelt.

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